Die ganze Geschichte lesen
Ich wurde im Februar 2024 nach der Diagnose einer leichten bis mittelgradigen obstruktiven Schlafapnoe überwiesen. Die Abklärung ergab eine skelettale Ursache: ein ausgeprägter transversaler Engstand des Oberkiefers mit beidseitigem seitlichem Kreuzbiss, eine skelettale Klasse-II-Diskrepanz mit maxillomandibulärer Retrognathie, eine Kippung der Okklusionsebene und abweichende dentale Mittellinien, die zusammen das Volumen meiner oberen Atemwege verringerten. Sieben Jahre mit einer Unterkieferprotrusionsschiene hatten nur teilweise geholfen. Der Plan umfasste die Entfernung der Weisheitszähne, eine chirurgisch unterstützte Gaumennahterweiterung, die kieferorthopädische Dekompensation und anschließend eine bimaxilläre orthognathe Operation mit Genioplastik.
Dasselbe Vokabular, das einen Plan für einen Chirurgen präzise macht, macht ihn für einen Patienten unsichtbar.
Das ist der Teil, der mich bis heute beschäftigt. Jenes erste Gespräch war im Februar 2024. Meine Operation fand erst in der zweiten Hälfte von 2026 statt - und die dreidimensionale virtuelle Planung wurde erst dann gemacht, ganz am Ende, nach der Erweiterung, nach sechs Monaten Konsolidierung, nach den Alignern und der festsitzenden Apparatur. Jedes Werkzeug, das mir mein eigenes Gesicht hätte zeigen können, kam rund zweieinhalb Jahre nach dem Termin, an dem ich entscheiden musste. Nicht weil jemand etwas falsch gemacht hätte. Dort sind die Werkzeuge schlicht angesiedelt.
Wie die Skizze entstand
Ein verformbares 3D-Kopfmodell, an meine Fotos angepasst, darauf die von meinem Chirurgen beschriebenen Knochenbewegungen, und eine generische Weichteilantwort bis zur Haut durchgerechnet. Bevölkerungsmittelwerte, keine patientenspezifische Biomechanik, kein Anspruch auf Genauigkeit.
Warum für Kliniken und nicht nur für mich
Patienten, die zu einer ersten orthognathen Beratung kommen, wissen in der Regel nicht, dass eine Genioplastik eine andere Osteotomie ist als eine BSSO, dass eine Oberkiefervorverlagerung die Nasenflügelbasis anhebt, oder dass eine Rotation der Okklusionsebene ein Profil stärker verändern kann als eine Vorverlagerung. Es fehlt ihnen nicht an Verständnisfähigkeit. Es fehlt ihnen ein gedankliches Modell, an dem die Wörter haften können, und dreißig Minuten reichen nicht, um es allein durch Sprechen aufzubauen. Deshalb habe ich auch ein Glossar in einfacher Sprache geschrieben, das Kliniken gern an ihre Patienten weitergeben dürfen.
Chirurgen wissen das längst, weshalb Beratungszeit dafür draufgeht, auf Papier zu zeichnen, einen Monitor umzudrehen oder auf Vorher-Nachher-Fotos von jemand anderem zurückzugreifen, mit einem anderen Gesicht und einem anderen Skelett. JawSim ersetzt Letzteres. Es setzt die Bewegung auf das Gesicht dieses Patienten, in wenigen Minuten, aus Fotos, die die Praxis ohnehin anfertigt, in der Phase, in der es sonst nichts gibt.