Der Fachjargon der Kieferchirurgie, in einfacher Sprache.
Jeden der folgenden Begriffe kann ein Chirurg in einem ersten orthognathen Beratungsgespräch zu Recht verwenden. Zu jedem steht das, was Patienten tatsächlich wissen wollen: was er mit einem Gesicht macht. Kliniken dürfen diese Seite gern verlinken oder an Patienten weitergeben.
Aus Patientensicht geschrieben, aus dem in warum es das gibt beschriebenen Grund. Allgemeine Information, keine klinische Beratung zu einem Einzelfall.
Die Operationen
Orthognathe Chirurgie
auch genannt: Kieferchirurgie, kieferkorrigierende Chirurgie
Chirurgie, die die Kieferknochen selbst durchtrennt und neu positioniert, statt Zähne durch den Knochen zu bewegen. Meist zusammen mit Kieferorthopädie, die den Biss auf die neue skelettale Position vorbereitet.
Im Gesicht: Verändert das darunterliegende Gesichtsskelett und damit die Gesichtsproportionen auf eine Weise, die eine Zahnspange allein nicht erreicht.
Le-Fort-I-Osteotomie
auch genannt: Oberkieferosteotomie, Oberkieferchirurgie
Ein horizontaler Schnitt durch den Oberkiefer oberhalb der Zahnwurzeln, der den gesamten Oberkiefer löst, sodass er als ein Block bewegt werden kann.
Im Gesicht: Ihn nach vorn zu bewegen füllt das Mittelgesicht auf und stützt Oberlippe und Nasenbasis. Ihn nach oben zu bewegen (Impaktion) verkürzt ein langes Mittelgesicht und lässt das Kinn automatisch nach vorn rotieren.
BSSO
auch genannt: bilaterale sagittale Spaltosteotomie, Unterkieferchirurgie
Eine längs verlaufende Spaltung des Unterkiefers auf beiden Seiten, sodass der zahntragende Teil des Unterkiefers nach vorn oder hinten gleiten kann, während die Gelenke an Ort und Stelle bleiben.
Im Gesicht: Die Vorverlagerung bringt Kinn und Kieferlinie nach vorn und strafft die Region unter dem Kinn. Die Rückverlagerung bewirkt das Gegenteil bei einem vorstehenden Unterkiefer.
Bimaxilläre Operation
auch genannt: Bimax, Doppelkieferoperation
Eine Le-Fort-I-Osteotomie und eine BSSO in derselben Operation, wobei beide Kiefer bewegt werden.
Im Gesicht: Erlaubt es, den gesamten Biss gemeinsam zu bewegen, was größere Vorverlagerungen und Änderungen der Okklusionsebene erst möglich macht.
Genioplastik
auch genannt: Kinnosteotomie, Kinnplastik, Kinnverschiebeplastik
Ein separater Schnitt durch die Kinnspitze unterhalb der Zahnwurzeln, der nur das Kinn bewegt. Es ist nicht dieselbe Operation wie eine BSSO, auch wenn beide oft kombiniert werden.
Im Gesicht: Passt Projektion, Höhe und seitliche Position des Kinns unabhängig von Kiefer und Biss an.
SARPE
auch genannt: chirurgisch unterstützte Gaumennahterweiterung, Oberkieferdisjunktion
Eine chirurgische Lösung des Oberkiefers in Kombination mit einer Dehnschraube, die einen schmalen Oberkiefer verbreitert. Meist eine frühere, eigenständige Operation mit mehreren Monaten Knochenkonsolidierung danach.
Im Gesicht: Verbreitert den oberen Zahnbogen und das Lächeln; die Veränderung des Gesichts ist im Vergleich zur Vorverlagerung gering.
Maxillomandibuläre Vorverlagerung
auch genannt: MMA, Bimax-Vorverlagerung
Bimaxilläre Chirurgie, die gezielt zur Erweiterung der oberen Atemwege durchgeführt wird, meist bei obstruktiver Schlafapnoe.
Im Gesicht: Dieselbe Gesichtsveränderung wie bei jeder bimaxillären Vorverlagerung. Das Ziel ist funktionell, die Veränderung des Aussehens kommt mit.
Die Bewegungen
Vorverlagerung / Rückverlagerung
auch genannt: anteroposteriore Bewegung, A-P
Einen Kiefer in der Vorn-hinten-Richtung nach vorn (Vorverlagerung) oder nach hinten (Rückverlagerung) bewegen.
Im Gesicht: Der mit Abstand größte Treiber der Profilveränderung. Am deutlichsten von der Seite sichtbar.
Impaktion / Absenkung
auch genannt: vertikale Oberkieferbewegung
Den Oberkiefer nach oben in das Gesicht hinein oder nach unten von ihm weg bewegen.
Im Gesicht: Die Impaktion verkürzt das Mittelgesicht und verringert ein zahnfleischbetontes Lächeln; sie lässt zudem den Unterkiefer schließend nach vorn rotieren und nimmt das Kinn mit.
Rotation der Okklusionsebene
auch genannt: Kippung der Okklusionsebene, Rotation im / gegen den Uhrzeigersinn
Den gesamten Biss als Einheit um einen gewählten Drehpunkt kippen, statt ihn nach vorn zu schieben. Die Richtung wird so benannt, wie sie von der rechten Seite des Patienten aus gesehen wird.
Im Gesicht: Die Rotation gegen den Uhrzeigersinn schwenkt das Kinn nach oben und vorn, während sich die oberen Frontzähne deutlich weniger bewegen. Sie kann ein Profil stärker verändern als eine reine Vorverlagerung und flacht oft den Winkel unter dem Kinn ab.
Drehpunkt
auch genannt: Scharnierpunkt, Rotationszentrum
Der Punkt, um den der Biss bei einer Änderung der Okklusionsebene rotiert: meist das Kiefergelenk, die oberen Frontzähne oder die Backenzähne.
Im Gesicht: Gleiche Rotation, sehr unterschiedliches Ergebnis. Eine Rotation um die Frontzähne belässt diese, wo sie sind, und bewegt das Kinn erheblich.
Okklusale Kippung
auch genannt: Cant, schiefe Bissebene
Eine Seite des Bisses steht höher als die andere.
Im Gesicht: Zeigt sich von vorn als schiefe Lächellinie. Die Korrektur richtet den Mund waagerecht aus.
Mittellinienabweichung
auch genannt: Asymmetrie, Gierbewegung
Kiefer oder Kinn stehen seitlich versetzt zur Gesichtsmittellinie.
Im Gesicht: Von vorn sichtbar als außermittiges Kinn oder nicht übereinstimmende dentale Mittellinien.
Die Diagnose
Skelettale Klasse II
auch genannt: Retrognathie, vergrößerte Frontzahnstufe
Der Unterkiefer steht relativ zur Schädelbasis hinter dem Oberkiefer.
Im Gesicht: Typischerweise ein fliehendes Kinn, eine tiefe Falte zwischen Lippe und Kinn und eine schlecht definierte Kieferlinie. Häufig mit verengten Atemwegen verbunden.
Skelettale Klasse III
auch genannt: Prognathie, Vorbiss
Der Unterkiefer steht vor dem Oberkiefer, oder der Oberkiefer ist unterentwickelt.
Im Gesicht: Ein vorstehendes Kinn und ein flaches Mittelgesicht.
Transversale Oberkieferenge
auch genannt: Oberkieferschmalheit, schmaler Oberkiefer
Ein Oberkiefer, der für den Unterkiefer zu schmal ist, meist mit einem Kreuzbiss, bei dem die oberen Seitenzähne innerhalb der unteren beißen.
Im Gesicht: Ein schmales Lächeln mit dunklen Wangenkorridoren und oft ein hoher, spitzbogiger Gaumen.
Dentoalveoläre Kompensation
auch genannt: Kompensation, Dekompensation
Zähne, die sich über Jahre gekippt haben, um eine skelettale Diskrepanz zu verdecken. Die kieferorthopädische Dekompensation macht das vor der Operation bewusst rückgängig.
Im Gesicht: Die Dekompensation verschlechtert Biss und Profil vorübergehend, weil sie das wahre Ausmaß der skelettalen Diskrepanz freilegt.
Lippeninkompetenz
auch genannt: inkompetenter Lippenschluss, offene Lippen in Ruhe
Lippen, die sich bei entspanntem Gesicht nicht berühren, meist weil die Kiefer zu weit auseinander oder zu weit versetzt stehen, als dass sich der Mund ohne Anstrengung schließen ließe. Ein erzwungener Schluss spannt den Kinnmuskel (Mentalis) an.
Im Gesicht: Geöffnete Lippen und ein angespanntes Kinn mit Grübchenbildung auf jedem entspannten Foto. Führt die Operation die Kiefer zusammen, schließen die Lippen in Ruhe oft von selbst - eine der sichtbarsten Weichteilveränderungen, und der Grund, warum ein ehrliches Vorher-Foto den Mund leicht geöffnet zeigen darf.
Ein Profil lesen
Nasolabialwinkel
Der Winkel zwischen Nasenbasis und Oberlippe.
Im Gesicht: Eine Oberkiefervorverlagerung schiebt die Oberlippe tendenziell nach vorn und rotiert die Nasenspitze nach oben, wodurch sich dieser Winkel ändert.
Labiomentalfalte
auch genannt: Kinn-Lippen-Furche, Sulcus mentolabialis
Die Falte zwischen Unterlippe und Kinn.
Im Gesicht: Bei Klasse-II-Patienten tief ausgeprägt; Vorverlagerung und Genioplastik glätten sie in der Regel.
Zervikomentaler Winkel
auch genannt: submentaler Winkel, Kinn-Hals-Winkel
Der Winkel zwischen der Unterseite des Kinns und dem Hals.
Im Gesicht: Eine der auffälligsten Veränderungen bei der Unterkiefervorverlagerung: die Region unter dem Kinn strafft sich und die Kieferlinie setzt sich vom Hals ab.
Pogonion, A-Punkt, B-Punkt
auch genannt: kephalometrische Referenzpunkte
Feste Bezugspunkte am Kinn, am Ober- und am Unterkiefer, mit denen Bewegungen auf einem Röntgenbild gemessen werden.
Im Gesicht: So kommen die Millimeterangaben zustande. Es sind Knochenpunkte, also ist ein Millimeter Knochenbewegung nicht ein Millimeter Hautbewegung.
Weichteil-Antwortverhältnis
Wie weit sich die darüberliegende Haut und Lippe bei einer gegebenen Knochenbewegung mitbewegen. Das schwankt je nach Region, Richtung und Person.
Im Gesicht: Der Grund, warum keine Fotovorschau exakt sein kann, und der Grund, warum JawSim seinen illustrativen Charakter ausdrücklich benennt.
Die Technik
DVT
auch genannt: digitale Volumentomographie, CBCT
Eine dreidimensionale Röntgenaufnahme des Gesichtsskeletts, angefertigt im Rahmen der chirurgischen Abklärung.
Im Gesicht: Die Grundlage einer genauen Planung. In einem ersten Beratungsgespräch meist nicht verfügbar.
Virtuelle Operationsplanung
auch genannt: VSP, 3D-Planung
Die genauen Osteotomien und Bewegungen anhand der DVT-Daten planen, oft mit gedruckten Splints oder Schnittschablonen als Ergebnis.
Im Gesicht: Hier findet die genaue Weichteilsimulation statt, typischerweise spät im Ablauf und nachdem sich der Patient festgelegt hat.
Kephalometrische Analyse
auch genannt: Fernröntgenanalyse, Durchzeichnung
Standardisierte Winkel und Strecken auf einem seitlichen Fernröntgenbild messen.
Im Gesicht: So wird die Planung quantifiziert und zwischen Kieferorthopäden und Chirurgen kommuniziert.
Allgemeine Information, keine medizinische Beratung. Welche Bewegungen für einen bestimmten Patienten infrage kommen und in welcher Größenordnung, ist eine klinische Beurteilung seines Chirurgen auf Basis einer vollständigen Abklärung. JawSim visualisiert eine Planung illustrativ; es entscheidet und prognostiziert sie nie.
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